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Die Geschichte

Gräfin Eva und die Bauern


Der Kupferstich von Merian zeigt Neuleiningen im 17. Jahrhundert. (= Bildunterschrift)
Eine der schönsten Legenden, sogar mit Happy End, die in der Pfalz umgehen, ist die der Gräfin Eva. Sie lebte in der Zeit des Bauernkrieges 1525 auf der Burg Neuleiningen.Als die Bauern seinerzeit die Burg plündern und brandschatzen wollten, bot Gräfin Eva ihnen nicht etwa Widerstand. Sie war klüger und gab nach, öffnete ihnen das Tor und lud charmant die wütende Schar zum Essen und Trinken ein. Die Bauern – echte Pfälzer – konnten nicht widerstehen, labten sich und zogen danach satt und zufrieden ab. – Die Burg blieb unversehrt.


Zum Gedicht "Die Gräfin Eva vun Neileininge", bitte hier klicken.


Wie so oft entspricht dieses Happy End aber nicht ganz der historischen Wirklichkeit. Aus den alten Gemeindeakten stellt sich die Geschichte folgendermaßen dar:

Die Bauern, aus Altleiningen, der Stammburg der Leininger Grafen kommend, hatten dort geplündert und gebranntschatzt. Sicher waren sie müde und hungrig und so zwangen sie Gräfin Eva, sie persönlich zu verköstigen und mit Trunk zu laben. – In der damaligen Zeit war das für ein hochadliges Fräulein eine ungeheuerliche Demütigung. Aber es ist Tatsache, die Burg blieb unversehrt.

Damals im Bauernkrieg, 1525, war Neuleiningen schon gut 300 Jahre alt. Denn die Burg und mit ihr das Ortschaft ließ Friedrich III. Graf von Leiningen, in der Zeit von 1238 bis 1250 erbauen. Als eine Kastellburg, wie sie um 1200 in Frankreich aufkam, ist sie das früheste Beispiel dieses Burgentyps in Deutschland. Sie hat einen viereckigen Grundriß, hohe Mauern die durch Wehrgänge bekrönt waren und an den Ecken nach außen gestellte runde Türme. Die Gebäude standen an der Innenseite der Mauern. Sie lassen einen inneren Hof frei, der mit kürzeren Wegen und größerer Übersichtlichkeit gerade auch im Verteidigungsfall klare Vorzüge besitzt. Die nach außen gestellten runden Türme dienten der Seitenflankierung der Außenmauern mit Pfeilen und Armbrust über das zu dieser Zeit ebenfalls neue Verteidigungselement der Schießscharten, die außerdem auch an der Nordseite der Burg zahlreich zu finden sind. Runde Türme boten auch besseren Schutz vor dem Beschuß mit Wurfmaschinen. Die ursprüngliche Grafenkapelle lag ebenfalls im inneren Burgbereich. Die Burg ist eindrucksvolles Zeugnis adliger Repräsentation, von Herrschaft und Macht dieses einstmals bedeutenden Geschlechts der Leininger Grafen. Unmittelbar nach Vollendung der Burg entstand auch die Stadtmauer, eine der besterhaltenen des 13. Jahrhunderts im westdeutschen Raum. So kann man von einem einheitlichen Konzept des Grafen Friedrich III. von Leiningen für die Erbauung von Burg und Stadt ausgehen.

Als Denkmalensemble von Burg, Dorf und Stadtmauer genießt Neuleiningen heute überregionale Bedeutung.

Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts geriet Neuleiningen in die Lehensabhängigkeit der Wormser Bischöfe. Ab Mitte dieses. Jahrhunderts sind Stadtrechte für Neuleiningen verbürgt. Sie erloschen erst 1792.

Im 15. Jahrhundert wurden Burg und Stadtmauern ausgebaut und verstärkt, so dass Neuleiningen damals als eine der am besten befestigten Städte in der Region galt. Nach dem Tod des Landgrafen Hesso, der kinderlos starb (+ 1467), betrachtete sich seine Schwester, Margarethe Gräfin von Westerburg, als seine Erbin. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit großen Gebietsverlusten. So mußte sich Reinhart I. Graf zu Leiningen und Westerburg schließlich Burg und Stadt mit dem Bischof von Worms teilen.

Auch den Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) überstand die Burg ohne Schaden. Allerdings wurde das Städtchen fast vollständig zerstört. Die Zerstörung der Burg erfolgte dann 1690 im Pfälzischen Erbfolgekrieg.

Ab 1767 war Neuleiningen vollständig im Besitz des Bischofs von Worms.

Unter der Herrschaft Napoleons I. wurde die Burg als französisches Nationaleigentum 1803* an Privatleute versteigert.

1874 kam die Burg wieder in den Besitz des Leininger Adels, der sie 1941 der Ortsgemeinde zum Geschenk machte. In den 1980iger und 1990iger Jahren wurde sie erhaltend restauriert.

Sei 2002 befindet sich in einem der Burgtürme ein kleines Heimatmuseum. 

*Die Versteigerung der Burg fand am 07. 10. 1803 ( =14. Tag des Monats Vendemidaire im 12. Jahr) in Mainz statt. Provenienz: Bischof von Worms, Pächter Holterbach. Ersteigert wurde sie von Michael Eberle, Neuleiningen, und der Wittwe von Franz Carlin, Kleinkarlbach. 

Quelle: LAS G 11, Nr. 113 I, G 7, Nr. 66.